Emotionale Kompetenz/soziales Kompetenztraining (TEK)


Menschen, die unter psychischen Problemen leiden, haben häufig auch Probleme mit der Regulation ihrer Emotionen. Was versteht man unter „Emotionsregulation“ und wie kann man vorgehen, um sie zu trainieren?

Emotionsregulation beschreibt all jene Prozesse, mit denen man die Emotionen in ihrer Art, der Dauer und der Intensität beeinflussen kann. Das macht Sinn, denn Stimmungen wie Freude, Begeisterung, Motivation können dazu beitragen, dass wir auf das zugehen, was ACT als wertorientiertes Handeln beschreibt. Und das, was uns daran hindert, so zu handeln, können wir blockieren – Ängste, Wut, Scham, Erschöpfung usw.

Störungen in der Fähigkeit, Emotionen zu steuern, können auf psychische Störungen hinweisen und diese auch aufrechterhalten.

Matthias Berking, der eine Zeitlang an der University of Washington u.a. mit Marsha Lineham (DBT-Therpie) zusammengearbeitet hat, leitete später an der Universität Bern ein Forschungsprojekt zur Emotionsregulation bei psychischen Störungen.

Auf ihn geht das Konzept TEK -Training emotionaler Kompetenzen zurück. Es enthält 7 Schritte:

  1. Muskelentspannung: entspannte Muskeln signalisieren der Amygdala, dem Mandelkern (der zu unserem „inneren Alarmzentrum“ gehört), dass keine Gefahr besteht und die Amygdala ihre Aktivität reduzieren kann. Diese Muskelarbeit erreichen wir u.a. durch Yogahaltungen.
  2. Atementspannung: über einen entspannten Atem setzen wir ein weiteres Signal an die Amygdala ab, dass im Moment alles in Ordnung ist und keine Gefahr besteht. Zur Atemberuhigung gibt es viele Techniken im Achtsamkeitsyoga.
  3. wertfrei wahrnehmen: anstatt zu grübeln, aktivieren wir den inneren Beobachter, der lediglich benennt, was wahrgenommen wird. Dieses Benennen wiederum wirkt entlastend. Das üben wir in der der Meditation. Alles, was wir wahrnehmen, darf auch aufsteigen, aber wir benennen es lediglich nach dem Grundsatz: energy flows where attention goes. Wo unsere Achtsamkeit ist, fließt Energie hin. Und diese Energie trägt dazu bei, dass die inneren Bewegungen zur Ruhe kommen.
  4. akzeptieren und tolerieren: wir üben, Emotionen auszuhalten. Denn oftmals sind es nur unsere Bewertungen, die Emotionen scheinbar so unerträglich machen. Unter der Akzeptanz ist eine Situation nicht mehr „unerträglich“, sondern nur noch belastend, herausfordernd. Ein Signal, das dauerhaft erklingt, verliert mit der Zeit seine Signalwirkung. Das kennen Menschen , die z.B. an einem Flughafen wohnen. Das Geräusch der Flugzeuge, das anfangs so störend war, hören sie irgendwann nicht mehr bewusst.
  5. Selbstverbalisation: anstatt uns und unsere inneren Fähigkeiten selbst abzuwerten, sprechen wir uns Mut zu, erinnern uns an vergangene Zeiten, in denen wir ähnliche Probleme gelöst haben, und fühlen in uns hinein, was denn jetzt hilfreich sein könnte, um uns gut oder besser zu fühlen.
  6. Analyse: wir lernen, zwischen Primär- und Sekundär-Emotionen zu unterscheiden. Ein Beispiel: ein Mensch, der sehr ängstlich ist und Kontakte scheut, entwickelt Schamgefühle, wenn er mit Menschen zusammen ist, mit denen er nicht vertraut ist. Die Angst entspricht seiner Primäremotion, die Scham, wenn er mit Menschen zusammen ist, entspricht der Sekundäremotion. Es würde dann wenig Sinn machen, seine Scham weg zu therapieren, denn die Angst wäre dann immer noch da. Also fängt man bei der Angst an. Wird dieser Mensch mutiger, hört auch seine Angst auf.
  7. Regulieren: Wenn wir die vorherigen Schritte häufig genug üben, sind wir zunehmend in der Lage, unsere Emotionen zu regulieren. Wir haben herausgefunden, was unser Ziele und was unsere Werte sind und wie wir uns daran annähern können. Wir haben Strategien entwickelt, mit denen wir in der Lage sind, unsere Emotionen zu beeinflussen, sodass sie ihre Macht über uns verlieren und wir immer seltener Kontroll-Verlust erleiden. Das heißt nicht, dass wir unsere Gefühle, wenn sie denn mal intensiv sind, unterdrücken. Es heißt, dass wir sie fühlen, aber wir müssen nicht unbedingt danach handeln.

Wie kommen wir dahin, dass es unser immer gelingt, unsere Emotionen zu lenken? Auch hier gibt es 2 mögliche Schritte:

  1. wir entwickeln diese Schritte aus uns selbst heraus, motivieren uns durch entsprechende Literatur, durch Gespräche mit Freunden, durch Erfahrungen oder durch die Bereitschaft, so entspannt wir möglich mit uns selbst und mit allem, was uns umgibt, umzugehen. In diesem Zusammenhang ist es durchaus sinnvoll, an einem Achtsamkeitskurs teilzunehmen, wie ich ihn im Rahmen meiner Tätigkeit als Yoga-Lehrerin bzw. als MBSR-Lehrerin anbiete.
  2. Das reicht manchmal nicht aus, wenn psychische Probleme schon sehr lange andauern, sich verfestigt haben und u.U. einen Teil unserer Identität ausmachen. Dann mag es sinnvoll sein, therapeutische Unterstützung zu suchen, wie ich sie in der ACT-Therapie anbiete.

Sprecht mich an, wenn ihr nicht so recht weiter kommt. Ich habe mir zum Grundsatz gemacht, dass eine Unterstützung nie am Preis scheitert. Sprechen wir darüber, es gibt immer eine Lösung, um zusammen zu finden.


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