Good bye, Mr. President


Es ist vorbei, die Zitterpartie um den neu gewählten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika.  Diese Wahl hat mich an die Grenzen meiner Gelassenheit gebracht – der Praxistest für ACT. Was heißt das?

Achtsamkeit:

Achtsamkeit bedeutet, wahrzunehmen, was in mir gerade aufsteigt an inneren und äußeren Bewegungen.

Offenheit:

Offenheit bedeutet, in Kontakt zu treten, mit dem was ich fühle und bewusst zu erleben. Und das ist:

Besorgnis, denn ich sehnte den Präsidenten-Wechsel herbei. Daneben fühlte ich auch Fassungslosigkeit darüber, dass 70 Millionen Amerikaner bereit waren, einen Präsidenten wieder zu wählen, der sie belog, für den der wirtschaftliche Aufschwung mehr zählte als der Schutz des Lebens, der den Klimawandel leugnete und gefallene Soldaten auf einem Soldatenfriedhof Feiglinge nannte, weil sie sich hatten erschießen lassen. Aber den Friedhof sah er ohnehin nur aus der Ferne, der Dauerregen hätte sonst seine Frisur ruiniert….

Akzeptanz:

Was sollte ich akzeptieren? 

Einen noch-Präsidenten, der einen Parallel-Kosmos geschaffen hatte, in dem nur die eigenen Worte zählten? In dem alle Kritiker verbal niedergemacht wurden und seine Lügen zu „alternativen Fakten“ wurden?

Einen Mann, der der US-Demokratie den Krieg erklärt hatte?

Der das Land gespalten hatte, wie nie zuvor ein anderer Präsident?

Unter dem Amerika sich in einen gefährlichen Ort verwandelt hatte und in dem US-Bürger gegeneinander aufgehetzt wurden?

Einen noch amtierenden Präsidenten, der u.a. jetzt plant, einen eigenen Fernsehsender zu gründen, um seinen Hass gegen diejenigen, die er für Feinde und Gegner hält, weiter zu verbreiten?

Ich dachte daran, dass Menschen durchaus eine Wahl haben, sich in eine bestimmte Richtung zu entwickeln. Natürlich können die Bedingungen, unter denen sie aufwachsen, kontraproduktiv für eine gesunde Entwicklung sein. Dann braucht es Mut, Entschlossenheit, die Orientierung an Idealen, um sich für das zu entscheiden, was eine Gesellschaft zu dem machte, was wir heute unter Gesellschaft verstehen.

„Nicht die Aggression, sondern die Kooperation ist das, was eine Gesellschaft zu dem machte, was sie heute ist“ (frei nach Gunter Schmidt in einem seiner Vorträge).

Ich entschied mich, zunächst meine Gedanken und Gefühle zu akzeptieren, ohne sie zu werten. Und mir bewusst machen, dass es Menschen gibt, die die Grundprinzipien für ein harmonisches Leben miteinander nicht verstanden haben oder die „me first“ zum Treibstoff ihres Lebens machen. Im Alltag mögen solche Menschen noch erträglich sein, man kann ihnen aus dem Weg gehen, in der Politik werden sie zur Gefahr für sich selbst und u.U. für ein ganzes Land.

Commitment – engagiertes Handeln – was bedeutet das für mich?

Ich orientiere mich am Hexaflex-Modell der ACT für psychische Flexibilität:

  • Ich erfühle mein Selbst und bringe mich in die Position des Beobachters.
  • Aus dieser Position erkenne ich, was sinnvoll ist und mich meinen Werten näherbringt.
  • Yoga-Haltungen helfen mir, körperliche Anspannung abzubauen. 
  • Atempraxis führt zu innerer Ruhe, Ausgeglichenheit und Distanz zu Gedanken, Gefühlen, Emotionen.
  • Meditation fördert Gelassenheit, einen ruhigen Geist, und Sicherheit darüber, was als Nächstes zu tun ist.

Ich spüre, wie Vertrauen in mir wächst – das Vertrauen, dass die Welt am Ende alle Krisen überwunden hat.


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